Vatertag 2026 – Verantwortung, Fürsorge und die Bedeutung gelebter Vaterschaft

Veröffentlicht von admin am

Vatertag 2026 – Verantwortung, Fürsorge und die Bedeutung gelebter Vaterschaft

Am 7. Juni wird in der Schweiz der Vatertag begangen. Im Vergleich zum Muttertag ist dieser Tag in der Öffentlichkeit noch wenig sichtbar. Seine Entstehungsgeschichte zeigt jedoch, dass es dabei nicht in erster Linie darum geht, Väter zu feiern oder zu idealisieren. Vielmehr soll auf die vielfältigen Herausforderungen aufmerksam gemacht werden, mit denen Männer und Väter in Familie und Gesellschaft konfrontiert sind. Aus unserer Sicht bietet der Vatertag die Gelegenheit, über Verantwortung, Fürsorge und zwischenmenschliche Beziehungen nachzudenken.

An diesem Tag erinnern wir uns besonders an jene Väter, die unter schwierigen Umständen versuchen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden: an Alleinerziehende, die Kinder ohne Unterstützung grossziehen; an Väter auf der Flucht, die neben den eigenen Sorgen auch die Zukunft ihrer Familien tragen; an Männer, die ihre Kinder aufgrund von Krankheit, Trennung, Distanz oder anderen Schicksalsschlägen nur eingeschränkt begleiten können; an Väter von Kindern mit schweren Erkrankungen; an einsame Männer in Pflegeeinrichtungen; an jene, die sich Kinder wünschen, deren Wunsch aber unerfüllt bleibt. Ihre Erfahrungen machen deutlich, dass hinter dem Begriff „Vater“ oft Geschichten von Hoffnung, Verzicht, Sorge und Liebe stehen.

Der Vatertag lenkt den Blick zugleich auf eine Frage, die gegenwärtig viele Gesellschaften beschäftigt: Wie vermitteln wir jungen Menschen ein gesundes Verständnis von Männlichkeit? In sozialen Medien gewinnen seit einigen Jahren Strömungen an Einfluss, die häufig ein einseitiges oder problematisches Männerbild vermitteln (Manosphere). Die Ursachen hierfür sind vielfältig und lassen sich nicht auf einfache Erklärungen reduzieren. Dennoch können Väter einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie ihren Kindern ein ausgewogenes Bild von Männlichkeit vorleben.

Stärke zeigt sich nicht nur in Durchsetzungsfähigkeit, sondern auch in Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Selbstreflexion. Ein Vater darf Schwächen zeigen. Er darf Gefühle ausdrücken. Er darf weinen. Er darf um Entschuldigung bitten. Und er darf seinen Kindern offen sagen, dass er sie liebt. Gerade darin liegt oft die grösste Stärke.

Auch die islamische Tradition betont diese Form gelebter Vaterschaft. Die Zeitgenossen des Propheten Muhammad berichteten, dass sie niemanden kannten, der mit seinen Kindern und Enkelkindern sanftmütiger und liebevoller umging als er (Muslim, Faḍāʾil 63; Aḥmad b. Ḥanbal, al-Musnad 3/112). Überliefert wird zudem, dass er seine Enkel Hasan und Husain auf seine Schultern nahm und sie in der Öffentlichkeit voller Zuneigung umhertrug (al-Bazzār 1/418). Ebenso wird berichtet, dass er aufstand, wenn seine Tochter Fatima zu ihm kam, sie an der Hand nahm, sie auf seinem Platz sitzen liess, sich nach ihrem Befinden erkundigte und ihr mit grosser Wertschätzung begegnete (at-Tirmiḏī, Manāqib 60; Abū Dāwūd, Adab 143).

Bemerkenswert ist, dass diese Formen von Zuneigung und emotionaler Nähe in vielen Gesellschaften seiner Zeit keineswegs selbstverständlich waren und mitunter sogar als Zeichen von Schwäche verstanden wurden. Gerade deshalb besitzen diese Überlieferungen bis heute besondere Aussagekraft. Sie zeichnen das Bild einer Vaterschaft, die nicht auf Distanz oder Autorität allein beruht, sondern auf Liebe, Nähe, Barmherzigkeit und Respekt. Wahre Stärke zeigt sich nicht in Härte, sondern in der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Zuneigung offen zu zeigen.

Die Familie ist ein Ort gegenseitiger Verantwortung, des Respekts und der Barmherzigkeit. Kinder lernen nicht nur durch Worte, sondern vor allem durch Vorbilder. Väter, die ihren Kindern mit Liebe, Geduld und Respekt begegnen, leisten einen wichtigen Beitrag für eine friedlichere und solidarischere Gesellschaft.

Gleichzeitig erinnert der Vatertag daran, dass familiäre Verantwortung keine Einbahnstrasse ist. So wie Eltern Verantwortung für ihre Kinder tragen, haben auch Kinder Verpflichtungen gegenüber ihren Eltern. In der islamischen Tradition wird dies besonders hervorgehoben. Im Koran heisst es: „Dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihm dienen und Vater und Mutter mit Güte behandeln sollt. Wenn einer von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, dann sage nicht einmal ‚Uff‘ zu ihnen, fahre sie nicht an und sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise“ (Sure al-Isrāʾ 17:23). Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird damit als eine Gemeinschaft gegenseitiger Fürsorge und Verantwortung verstanden, die von Respekt, Dankbarkeit und liebevoller Zuwendung geprägt sein soll.

Aus diesem Anlass gratulieren wir allen Vätern sowie auch jenen Menschen zum Vatertag, die Verantwortung für Kinder übernehmen, fehlende Vaterfiguren ersetzen, Orientierung geben und mit grossem Einsatz väterliche Fürsorge leben.

Möge der Vatertag allen, die Verantwortung für Kinder tragen, Kraft, Gesundheit, Hoffnung und Zuversicht schenken und dazu beitragen, dass Liebe, Verständnis und gemeinsam verbrachte glückliche Momente in den Familien wachsen.

Wir wünschen Ihnen einen gesegneten und frohen Vatertag.

Sie können das Dokument hier herunterladen


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert