Barmherzigkeit verbindet Generationen

Der 1. Oktober, der Internationale Tag der älteren Menschen, lädt dazu ein, den Blick auf die älteren Generationen und ihren Platz in der Gesellschaft zu richten.
Jede Generation baut ihre Zukunft auf dem auf, was sie von vorherigen Generationen erhalten hat. Ältere Menschen geben dabei weit mehr als Erinnerungen weiter: Lebenserfahrung, Wissen und Werte. Dahinter stehen oft Jahre voller Arbeit, Geduld und Hingabe. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, ist auch den Bemühungen jener zu verdanken, die den Weg dafür bereitet haben.
Barmherzigkeit gehört zu den zentralen Werten des Islams. Zu den schönen Namen Allahs gehören Ar-Rahmân und Ar-Rahîm. Sie erinnern an Seine unermessliche Barmherzigkeit. Wer auf Allahs Barmherzigkeit hofft, ist zugleich dazu aufgerufen, seinen Mitmenschen mit Mitgefühl und Güte zu begegnen.
Der Koran beschreibt diese Haltung besonders im Verhältnis zu den Eltern und hebt dabei die Zuwendung hervor, die ihnen im Alter gebührt:
«Und senke für sie aus Barmherzigkeit den Flügel der Demut und sag: ‹Mein Herr, erbarme Dich ihrer, wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein war.›»
(Koran, 17:24)
Diese Worte erinnern daran, dass jeder Mensch einmal auf Fürsorge angewiesen war. Eltern, Grosseltern und andere vertraute Menschen begleiten Kinder auf ihrem Weg und prägen deren Leben durch Zuwendung, Geduld und Liebe. Ihnen im Alter mit Aufmerksamkeit und Dankbarkeit zu begegnen, würdigt diese Verbundenheit.
Auch der Prophet Mohammed ﷺ betonte, wie eng Barmherzigkeit gegenüber den Jüngeren und die Anerkennung der Rechte der Älteren zusammengehören. Die Verantwortung füreinander reicht über alle Altersgrenzen hinweg.
Ältere Menschen verbinden Vergangenheit und Gegenwart. Durch ihre Erinnerungen wird Geschichte greifbar und ihre Erfahrungen können Orientierung geben. Sie gestalten die Gegenwart mit, und zwar in Familien, im Beruf, in Vereinen, in Religionsgemeinschaften und durch ihr gesellschaftliches Engagement.
Der 1. Oktober erinnert deshalb auch daran, dass das Älterwerden weder die Würde noch die Zugehörigkeit eines Menschen mindert. Wertschätzung zeigt sich im Alltag: darin, Zeit füreinander zu finden, zuzuhören, Unterstützung anzubieten und die Wünsche und Entscheidungen älterer Menschen ernst zu nehmen. Ihre Würde besteht unabhängig davon, was sie geleistet haben oder weiterhin leisten können.
Bedingungen für ein würdevolles Älterwerden zu schaffen, ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehören eine verlässliche Betreuung und Pflege, materielle Sicherheit, Möglichkeiten zur Mitgestaltung und ein Alltag, in dem ältere Menschen selbstbestimmt leben können. Hier tragen Politik und gesellschaftliche Institutionen ebenso Verantwortung wie Familien, Religionsgemeinschaften und jeder einzelne Mensch. Eine Gesellschaft wird dieser Verantwortung gerecht, wenn sie Einsamkeit und Ausgrenzung entgegenwirkt und älteren Menschen Gehör und Raum für ihre Anliegen gibt.
Gerade der 1. Oktober kann eine Gelegenheit sein, diese Wertschätzung auch durch eine einfache Geste zum Ausdruck zu bringen: sich bei einem älteren Menschen aus dem eigenen Umfeld zu melden, anzurufen oder ihn zu besuchen – sei es zu Hause, bei Angehörigen oder in einer Alters- und Pflegeeinrichtung. Manchmal können bereits ein Gespräch, ein Zeichen der Aufmerksamkeit oder ein gemeinsam verbrachter Moment zum Ausdruck bringen, dass ältere Menschen gesehen und wertgeschätzt werden.
Möge Allah das Miteinander der Generationen mit Barmherzigkeit, Respekt und Dankbarkeit erfüllen. Möge Er älteren Menschen Gesundheit, Geborgenheit und inneren Frieden schenken. Und möge die Verbundenheit zwischen Jung und Alt wachsen, damit Erfahrungen geteilt, gute Werte weitergetragen und Beziehungen gepflegt werden.
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