{"id":978,"date":"2020-07-25T13:01:48","date_gmt":"2020-07-25T13:01:48","guid":{"rendered":"https:\/\/hizmet.ch\/?p=978"},"modified":"2020-07-25T13:01:50","modified_gmt":"2020-07-25T13:01:50","slug":"vorurteile-brechen-muslimische-familien-laden-zum-znacht-wahrend-des-ramadans-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hizmet.ch\/index.php\/2020\/07\/25\/vorurteile-brechen-muslimische-familien-laden-zum-znacht-wahrend-des-ramadans-2\/","title":{"rendered":"Vorurteile brechen: Muslimische Familien laden zum Znacht w\u00e4hrend des Ramadans"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Samstag beginnt der Ramadan, eine heilige Zeit f\u00fcr Muslime. Zehn muslimische Familien aus Basel laden w\u00e4hrend dieser Zeit zu einem Abendessen ein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>von Annika Bangerter \u2014 bz Basel,&nbsp;25.5.2017&nbsp;um 12:00 Uhr<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In Basel-Stadt leben um die 14 000 Muslime. Fast alle ziehen weder eine Burka an, noch verteilen sie Korane am Claraplatz. Ihre Kinder geben den Lehrerinnen die Hand; und \u00fcber das Grauen des Terrors wie etwa in Manchester lesen sie nur in der Zeitung. Es sind radikale, extreme Kr\u00e4fte, welche Muslime in den Fokus r\u00fccken. Trotzdem trifft die Keule des Generalverdachts auch die Gem\u00e4ssigten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr sie beginnt an diesem Samstag mit dem Ramadan eine heilige Zeit. Zehn Familien aus Basel wollen diese nutzen, um der unauff\u00e4lligen Mehrheit ein Gesicht zu geben. Daf\u00fcr laden sie Baslerinnen und Basler ein, an einem ihrer Fastenbrechen teilzunehmen. Der Rahmen ist intim: Die Gastgeber bitten jeweils bei sich zu Hause zu Tisch. \u00abWir m\u00f6chten einen Einblick in eine muslimische Familie erm\u00f6glichen\u00bb, sagt der t\u00fcrkischst\u00e4mmige Nusret Temizel. Er ist in der Schweiz geboren und in Basel aufgewachsen. Im Breitquartier lebt er mit seiner Frau Hatice und den beiden Kindern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">G\u00fclen-Anh\u00e4nger im Fokus<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Paar betont: Beim gemeinsamen Abendessen seien Fragen zum Alltag, zur Religion, zur Mentalit\u00e4t ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht. Wer auf spektakul\u00e4re Antworten hofft, d\u00fcrfte aber entt\u00e4uscht werden, warnt Hatice Temizel: \u00abDie negativen Vorurteile treffen auf die meisten Muslime nicht zu. Trotzdem h\u00e4lt sich das schlechte Image hartn\u00e4ckig. Aber gucken Sie sich um, wir leben ganz normal.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die offene Balkont\u00fcr flutet Sonnenlicht. Auf dem Couchtisch im Wohnzimmer dampft Tee aus bauchf\u00f6rmigen Gl\u00e4sern. Schoko-K\u00fcchlein und Baklava sind liebevoll angerichtet. Aus dem Nebenzimmer st\u00fcrmt der 4-j\u00e4hrige Sohn. Strahlend, in der Hand h\u00e4lt er eine neue Kreation aus bunten Duplo-Steinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Wecker klingelt im kommenden Monat nicht kurz vor Sonnenaufgang. Ebenso wie seine 6-j\u00e4hrige Schwester fastet er nicht. Kinder, Schwangere oder kranke Menschen sind davon ausgenommen. F\u00fcr die anderen gilt, bis zu 16 Stunden ohne Fl\u00fcssigkeit und ohne Nahrung auszukommen. Nach zwei Tagen habe sich der K\u00f6rper daran gew\u00f6hnt, sagt Nusret Temizel. Sowohl ihm wie seiner Frau gef\u00e4llt, dass sie in dieser Zeit neben dem Job alles ruhiger angehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEs f\u00fchlt sich an, als ob der Alltag vor sich hind\u00e4mmern w\u00fcrde. Man zieht sich zur\u00fcck, schaltet ab\u00bb, sagt Hatice Temizel. Selten w\u00fcrde sie so viel lesen, wie in dieser Zeit. Damit auch in diesem Jahr der Ramadan f\u00fcr die Gastgeber ein ruhiger Monat bleibt, l\u00e4dt jede beteiligte Familie ein oder zu zwei Mal ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Koordiniert werden die Abendessen durch den Ideal Kulturverein. Er steht der Hizmet-Bewegung nah. Diese f\u00fchrt mit Fethullah G\u00fclen jener islamische Geistliche an, den der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Erdogan f\u00fcr den gescheiterten Milit\u00e4rputsch verantwortlich macht. Tausende von G\u00fclen-Anh\u00e4nger sind seither verhaftet worden; Spitzel-Skandale sorgten in Europa f\u00fcr Aufregung. Auch aus der Schweiz landete ein detaillierter Rapport in Ankara. Auf dieser Liste der G\u00fclen-Anh\u00e4nger steht auch der Ideal Kulturverein.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorstandsmitglied Nusret Temizel sagt, dass er sich in der Schweiz dennoch sich sicher f\u00fchle. Angep\u00f6belt oder \u00f6ffentlich angefeindet sei er hier nie worden. Die Ferien in der T\u00fcrkei sind allerdings auf unbestimmt verschoben. Doch das Thema hat auch in der Schweiz Sprengkraft: \u00abTreffen wir andere Familien, hoffe ich immer, dass niemand das Gespr\u00e4ch auf die Politik lenkt. Zu rasch wird es emotional, zum Teil auch verletzend.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Temizel w\u00e4hlt seine Worte bedacht, w\u00e4gt ab. Er erz\u00e4hlt von den gut besuchten Veranstaltungen, die der Ideal Kulturverein organisiert hat; von der Nachhilfeschule Elite, in die t\u00fcrkischst\u00e4mmige Eltern ihre Kinder schickten. Unabh\u00e4ngig von ihrer politischen Gesinnung. Damit ist seit dem Putschversuch Schluss. Die Schule steht vor dem Aus, es fehlen die Sch\u00fcler. \u00abEs besch\u00e4ftigt uns, dass wir pl\u00f6tzlich als die B\u00f6sen gelten. Schliesslich wurden unsere Angebote zuvor jahrelang gesch\u00e4tzt\u00bb, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihm sei bewusst, dass die G\u00e4ste beim Fastenbrechen auch Fragen zur G\u00fclen-Bewegung haben. Diese sollen gestellt werden, betont er. S\u00e4mtliche Vorurteile sollten die Chance haben, an diesem Abend gebrochen zu werden. Und wenn keine bestehen, umso besser.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em><strong>Anmeldung<\/strong>: Wer an einem kostenlosen Abendessen teilnehmen m\u00f6chte, kann sich beim Ideal Kulturverein per Mail anmelden:<a href=\"mailto:%20kontakt@idealkulturverein.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">kontakt@idealkulturverein.ch<\/a>&nbsp;Man kann als Einzelperson oder in einer kleineren Gruppe bis zu vier Personen teilnehmen. Das Fastenbrechen beginnt nach 21 Uhr. Die Platzzahl ist beschr\u00e4nkt.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Quelle:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bzbasel.ch\/basel\/basel-stadt\/vorurteile-brechen-muslimische-familien-laden-zum-znacht-waehrend-des-ramadans-131360129\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.bzbasel.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Artikel-Bild: Die Familie Temizel l\u00e4dt zum Fastenbrechen ein. \u00a9 Kenneth Nars<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag beginnt der Ramadan, eine heilige Zeit f\u00fcr Muslime. Zehn muslimische Familien aus Basel laden w\u00e4hrend dieser Zeit zu einem Abendessen ein. von Annika Bangerter \u2014 bz Basel,&nbsp;25.5.2017&nbsp;um 12:00 Uhr In Basel-Stadt leben um die 14 000 Muslime. 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